Beziehung & Familie

Egal wie weit du weg bist.

14. Oktober 2017

„Ich fahre jetzt los, bis nachher“.  Ich grinste. Nicht’s hätte mich in diesem Moment glücklicher machen können als dieser Satz. In der Zeit wo andere es nur schaffen sich die Haare zu kämmen, konnte ich noch Aufräumen, eine Freundin besuchen und Einkaufen gehen während ich auf meinen Freund wartete. Denn das dauerte mit dem Auto, wenn alles gut läuft 5 1/2 Stunden. Eine der schlimmsten Dinge dieser Welt ist es doch, jemanden zu vermissen. Ich habe mich täglich gefragt wieso andere Paare die sich ständig streiten, die scheinbar so unglücklich sind, so viel Zeit mit einander verbringen können und du dich schon über eine Stunde mit deinem Partner freuen würdest. Die Wochenenden waren schön, jede Sekunde wurde genossen. Jede Minute ausgenutzt. Und irgendwann, ohne das man es merkte schlich er sich an. Er lauerte schon in der Ecke, wenn ich aufwachte. Guckte rüber, schlich mir um die Beine, während ich Kaffee kochte. Und wenn ich mich zum Frühstücken hinsetzen wollte, setzte er sich dick und fett auf den Tisch und guckte mir ins Gesicht: Der Abschiedsschmerz. Ich versuchte Ihn zu verdrängen, nicht zu zeigen wie schlecht es mir ging und jeden Augenblick zu nutzen. Aber spätestens als wir uns verabschiedeten und er wieder in’s Auto stieg konnte man den Schmerz nicht mehr verstecken. Und dann ging es los. Die ersten Minuten habe ich nur geweint. Niemand mehr da, der mich beruhigen kann. Niemand mehr da, der weiß, was mich so schnell tröstet. Die ersten Stunden sind unheimlich, weil man nicht genau weiß, wie der Körper, wie das Herz dann reagieren wird. Dann bemerkt man die Ruhe, keiner tappt durch die Wohnung, keiner unterhält sich mit dir. Völlige Stille. Ich sage euch, es hätte in diesem Moment nicht schlimmer sein können.
Bevor wir uns kannten, war das alleine sein gar nicht schlimm. Trotz dieser unfassbar schwierigen Zeit, war ich so dankbar. Ich dankte Gott jeden Tag für diesen wundervollen Menschen. Auch heute noch.

„Ja, ich glaube an Schicksal. Denn wie kann es sein, dass zwei voneinander völlig unabhängige Menschen, die sich nicht kennen, keine ahnung haben, dass der andere existiert, aber sich gegenseitig so brauchen, sich auf einmal finden.“

 

Irgendwann hieß es aber: weiter machen! Okay, ein paar Tage kann man sich im Bett verkrümeln und 24 Stunden nur vermissen. Aber dieses Vermissen darf nicht zum Lebensinhalt werden. Das Leben geht weiter. Jetzt hat man mehr Zeit, ist mehr allein. Und man darf eben nicht den ganzen Tag nur über diese vielen Kilometer nachdenken, denn das macht rein gar nichts besser. Das macht nur unsicher. Und entfernt einen noch mehr vom Partner.
Man muss aus dieser zusätzlichen Zeit  irgendeinen Vorteil ziehen – mehr Zeit für Freunde, mehr Zeit zum Lesen, mehr Zeit für Musik. Das war eines der Dinge, die mir sehr geholfen haben. Immer wenn ich traurig zu Hause saß, einfach nur kuscheln und mich verstecken wollte, habe ich mich an mein Keyboard gesetzt und einfach gespielt. Ich habe mir neue Aufgaben gesucht, neue Herausforderungen. Habe Nächte durchtanzt, obwohl ich mir am Liebsten mit ihm eine Pizza bestellt und Harry Potter angesehen hätte. Aber das geht eben im Moment nicht. Also muss es etwas Anderes geben. Aber es muss Platz bleiben. Nicht zu sehr ablenken. Nicht den Tag so vollstopfen, dass da keine Zeit mehr ist, an den Anderen zu denken. Ich meine, dass das ein sehr schmaler Grad ist. Und das gilt für beide Seiten!

Immer wieder kam die Frage: „Und, wie läuft’s, klappt es ?“.
Ja, das tut es. Auch wenn es einige Hürden zu überwinden gab, haben wir es geschafft. Wir telefonierten während ich im Bus war oder auf seinem Heimweg von der Arbeit. Das Datenvolumen hielt nicht lange, jede freie Sekunde wurde FaceTime geöffnet und wir schickten uns alle fünf Minuten Selfies.  Das alles kann man tuen und man verliert sich nicht aus den Augen. Das einzige was jetzt noch fehlt, das ist die Nähe. Dafür hat leider niemand eine Lösung, da bringt auch FaceTime nichts.

Geplant war dann, ich ziehe am ende des laufenden Ausbildungsjahres zu Ihm. Aber das Leben spielt doch nach seinen eigenen Regeln und ehe wir uns versahen lebten wir schon sechs Monate früher als geplant zusammen. Das auch dies nicht so leicht war, versteht sich von selbst. Immerhin vermisste ich jetzt nicht nur eine Person, sondern meine Freunde, meinen Verein und meine Familie.

Der Umzug war alles andere als einfach. Die Entscheidung hier zu bleiben, nur für eine Person. Doch wer will schondarauf warten müssen. Die Vorstellung von einem Leben mit Ihm war zu schön als die Chance die wir hatten nicht zu nutzen. Diese Beziehung war (und ist!) mehr als verknallt sein und mal ein paar Wochen Schmetterlinge im Bauch zu haben. Kennt Ihr das Gefühl alles für euren Partner tuen zu wollen, und bereit seid alles für Ihn zu opfern. Wenn Ihr nicht glücklich sein könnt ohne das er glücklich ist und Ihr immer nur das beste für Ihn wollt ? Wenn Ihr das Gefühl kennt dann könnt Ihr sehr dankbar sein! Für niemanden hätte ich jemals solche Gefühle haben können, keiner passt besser zu mir. Er ist der Deckel zum Topf. Zusammen sind wir einfach besser. Alles ist perfekt wenn er da ist. Daher kann ich nur jedem raten der Angst vor einer Fernbeziehung hat: versucht es, es lohnt sich!

PS: Wenn du dich jetzt in dieser Phase befindest, in der der Schmerz größer ist als die Freude dann habe ich hier etwas für dich!  Gossip’s Song “Love Long Distance”. Anmachen, aufdrehen, tanzen. Im Zweifel den Abschiedsschmerz dabei so lange an sich drücken, bis er verreckt.

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  1. Wie mutig und gleichzeitig schön. Ich weiß gar nicht wie es mir gehen würde, wäre mein Mann so weit weg. Ich glaube ich könnte damit gar nicht umgehen.
    Wunderbar, wie sehr ihr euch braucht und wie stark ihr seid <3 Liebe kennt eben keine Grenzen 🙂

    Liebste Grüße,
    Sarah von http://www.vintage-diary.com

  2. Hach was für ein schöner Post, und so wahr – meine Beziehung began auch (halbwegs) als Fernbeziehung, da arbeitsbedingt anfangs seeehr viele Reisen angesagt waren. Zum Glück war dies eine absehbare Zeit und ich denke hinterher lernt man die gemeinsame Zeit umso mehr zu schätzen ♥

    xxx
    Tina
    http://styleappetite.com

  3. Oh, das hast du wunderbar geschrieben! Und ich kann ALLES was du schreibst nachvollziehen. Ich weiß wie es ist, wenn man im Monat nur zwei Tage zusammen verbringen kann. Und ich kenne den Schmerz, wenn man wieder alleine ist. Im Moment kenne ich leider nur den Schmerz, da alles viel zu kompliziert ist und ich Entscheidungen treffen muss, die ich gar nicht treffen will und Platz für neues schaffen muss – aber wie du schreibst, man hat seine Freunde. Auch wenn der Partner weg ist, ist man selten allein.
    Ich wünsche euch alles Glück der Welt und dass es für immer so bleiben wird! 🙂

    Viele liebe Grüße!
    Anna 🙂
    https://wwwannablogde.blogspot.de

  4. Wunderschön geschrieben! Ich kann deinen Schmerz gut nachvollziehen und freue mich umso mehr für euch, dass ihr nun zusammen gezogen seid. Natürlich vermisst man anfangs seine Freunde und die Familie, aber das wird mit der Zeit sicherlich erträglicher.
    Liebe Grüße,
    Laura

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